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Livestream

Livestream planen: Die Checkliste für Kongresse und Konferenzen

Vom ersten Briefing bis zur Auswertung: Was vor dem Sendetag wirklich geklärt sein muss – Ton, Leitung, Ablauf, Rechte. Mit konkreten Zahlen und den Fehlern, die wir am häufigsten sehen.

8 Min. Lesezeit

Ein Livestream ist im Grunde ein Fernsehsender für einen Tag. Er hat ein Programm, eine Regie, Sendezeiten – und ein Publikum, das bei einer Schlechtleistung nicht höflich wartet, sondern einfach wegklickt. Die gute Nachricht: Fast alles, an dem Streams scheitern, lässt sich Wochen vorher klären. Diese Checkliste führt Sie durch die vier Phasen der Vorbereitung – mit den Fragen, die wir unseren Kundinnen und Kunden vor jedem Stream stellen.

Sechs Wochen vorher: Das Fundament

Zweck und Publikum festlegen. Ist der Stream ein Ersatz für fehlende Sitzplätze, ein Mehrwert für angemeldete Gäste oder eine eigene Bühne für Menschen, die gar nicht anreisen können? Die Antwort entscheidet über alles Weitere: Aufwand, Kameraführung, Moderationselemente, Einspielungen. Ein Stream, der nur den Saal abbildet, langweilt das Online-Publikum. Ein Stream, der für das Online-Publikum gedacht ist, bekommt eigene Blickwinkel, Einspieler und eine Ansage.

Plattform wählen. Öffentlich auf YouTube oder Vimeo, nur mit Link, hinter einer Anmeldung, mit Chat oder ohne? Für interne Inhalte und vertrauliche Zahlen empfiehlt sich ein geschützter Bereich. Für Reichweite ist ein öffentlicher Stream mit sauberem Titel und Vorschaubild die bessere Wahl. Klären Sie außerdem früh, wer das Konto besitzt, auf dem gesendet wird – der Zugriff darauf am Sendetag ist ein überraschend häufiger Stolperstein.

Das Programm als Minutentabelle. Jede Redezeit, jede Pause, jeder Umbau, jeder Einspieler – mit Uhrzeit und Dauer. Ohne diese Tabelle arbeitet die Regie im Blindflug. Idealerweise bekommt das Regieteam den Ablauf in der Form, in der auch die Moderation ihn bekommt, damit beide Seiten vom selben Dokument ausgehen.

Rechte klären, bevor es peinlich wird. Dürfen alle Sprecherinnen und Sprecher gezeigt und aufgezeichnet werden? Gibt es Musik, Videos oder Präsentationsfolien mit Rechten Dritter, die nicht gesendet werden dürfen? Gerade Musik aus der Saalbeschallung kann einen öffentlichen Stream automatisch stumm schalten oder sperren lassen. Eine kurze Freigabe-Erklärung für alle, die auf der Bühne stehen, spart später viele Diskussionen.

Zwei Wochen vorher: Die Technik

Die Leitung ist der Stream. Prüfen Sie den Upload am Veranstaltungsort – nicht den Download. Für einen stabilen Full-HD-Stream sollten dauerhaft mindestens 15 bis 20 Mbit/s Upload zur Verfügung stehen, gemessen zur Tageszeit des Events, nicht am Sonntagmorgen. Eine dedizierte Leitung, auf der nicht gleichzeitig dreihundert Gäste im WLAN surfen, ist Gold wert.

Der Notfallweg. Was passiert, wenn die Leitung kippt? Die Reihenfolge lautet: Aufzeichnung läuft lokal weiter, Umschalten auf eine zweite Verbindung (gebündeltes Mobilfunk oder ein zweiter Provider), Einblendung für das Publikum. Wer diesen Weg vorher durchgespielt hat, verliert im Ernstfall Sekunden statt Minuten.

Tonquellen festlegen. Der Ton kommt idealerweise als sauberes Signal direkt aus der Mischanlage des Tontechnikers – nicht aus einem Mikrofon, das den Saal mithört. Klären Sie mit der Veranstaltungstechnik: Welche Ausgänge hat das Pult, wer ist am Tag zuständig, was passiert bei Beiträgen aus dem Publikum? Für Publikumsfragen braucht es eigene Handmikrofone oder einen Moderator, der die Frage wiederholt. Bei Bedarf setzen wir uns auch gern mit der Tontechnik vor

Der Ablaufplan für die Regie. Wer kündigt an, wer schaltet, wer hält die Zeit, wer spricht mit der Moderation? Ein Zettel pro Person, auf dem steht, was diese Person wann tut. Das klingt banal und ist der Unterschied zwischen einem ruhigen Stream und einem hektischen.

Eine Woche vorher: Die Probe

Technikprobe am Ort, nicht im Büro. Kamerapositionen, Kabelwege, Lichtverhältnisse zur tatsächlichen Sendezeit, Tonabnahme mit der echten Mischanlage, Upload-Test mit dem echten Streaming-Konto. Eine halbe Stunde Probe im Saal ersetzt drei Stunden Problemlösung am Sendetag.

Generalprobe mit einem echten Programmpunkt. Nicht nur Technik testen, sondern einen Beitrag komplett durchspielen: Ansage, Vortrag, Publikumsfrage, Einspieler. Dabei fallen die Dinge auf, die in keiner Tabelle stehen – der Vortragende, der vom Mikrofon wegwandert, die Folie, die am Stream nicht lesbar ist.

Einspieler und Grafiken fertig haben. Titelgrafik, Pausenbild, Namenseinblendungen, der Countdown vor Sendebeginn. Alles, was am Sendetag noch gerendert werden muss, ist ein Risiko.

Am Sendetag

Früh genug vor Ort sein. Aufbau, Verkabelung, Kamerapositionen und Tonabnahme brauchen Zeit, in der noch niemand durch die Kabel läuft. Als Faustregel: Das Team sollte fertig verkabelt sein, bevor die ersten Gäste kommen – bei Kongressen heißt das oft zwei bis drei Stunden vor Beginn.

Vor Sendebeginn senden. Der Stream startet nicht mit dem ersten Vortrag, sondern zehn bis fünfzehn Minuten früher – mit Pausenbild, Musik oder einem Countdown. So sieht jede Zuschauerin sofort, dass sie am richtigen Ort ist, und das Team hat Puffer für letzte Korrekturen.

Aufzeichnung parallel zum Stream. Der Mitschnitt läuft lokal auf jeden Fall mit, unabhängig von der Leitung. Wenn der Stream nach vierzig Minuten abreißt, ist der Vormittag trotzdem gerettet – und das Material für die Nachbearbeitung liegt in voller Qualität vor.

Eine Person für Rückfragen. Während der Sendung muss jemand erreichbar sein, dem etwas auffällt und der handeln darf – im Chat, am Telefon, an der Regie. Diese Person moderiert keine Vorträge und bedient keine Kamera.

Nach dem Stream

Der Stream ist selten das Endprodukt. Aus dem Mitschnitt entstehen das eigentliche Vermarktungsmaterial: ein Highlight-Film, einzelne Speaker-Clips für Social Media, der vollständige Mitschnitt für die interne Dokumentation. Planen Sie diese Schnittfassungen schon vor dem Event – dann filmt das Team am Tag bereits die Einstellungen, die dafür gebraucht werden.

Zahlen auswerten. Einschaltzeiten, Verweildauer, Geräte, Abbruchpunkte. Wenn die Hälfte des Publikums nach zwanzig Minuten geht, war das Programm zu lang oder der Einstieg zu zäh. Das ist die beste Grundlage für die nächste Ausgabe.

Danke sagen, Material liefern. Sprecherinnen und Partner freuen sich über ihre eigenen Clips – und teilen sie. Wer das Material binnen einer Woche verschickt, bekommt Reichweite geschenkt.

Die fünf häufigsten Fehler

1. Zu spät an den Ton denken. Ein Bild mit leichtem Rauschen verzeiht man, ein unausgewogener Ton mit Hall und Rückkopplung nicht. Wenn Sie nur eine Sache vorbereiten können, dann diese. 2. Den Upload nicht am Ort gemessen. Die Leitung im Büro sagt nichts über den Saal aus. 3. Kein Notfallplan. Keine zweite Verbindung, keine lokale Aufzeichnung, keine Ansage für den Störungsfall. 4. Das Online-Publikum vergessen. Ein Stream, der nur die Saalkamera zeigt, fühlt sich an wie ein Überwachungsvideo. 5. Nach dem Stream nichts mehr planen. Der teuerste Tag des Events produziert Material, das ein Jahr lang arbeiten kann – wenn jemand daran gedacht hat.

Fazit

Ein guter Livestream ist kein technisches Wunder, sondern das Ergebnis von vier Wochen sauberer Vorbereitung. Zweck klären, Leitung prüfen, Ton sichern, Ablauf proben, Notfallweg festlegen – dann kann am Sendetag fast nichts mehr schiefgehen. Und wenn doch: Die Aufzeichnung läuft ja parallel.

Sie planen einen Kongress oder eine Konferenz mit Livestream? Schicken Sie uns Ihre Anfrage – wir gehen diese Checkliste gemeinsam mit Ihnen durch.

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